
29.04. – 14.05.2026 Tanga/ Tansania
Team: Michael Schidelko, Gunnar Lübke, Heribert Schidelko
Der Einsatz begann mit einem Paukenschlag: bei der Ankunft am Kilimanjaro Airport fehlte nicht nur ein Koffer unseres Anästhesisten Gunnar Lübke, sondern auch seine Begleiterin. Sie hatte den Flieger aus Dakar kommend verpasst. So hatte Gunnar zwei Begründungen für seine dreitägige Verspätung in Puma. So machten wir uns, Heribert Schidelko und ich, alleine auf den Weg und fuhren den mittlerweile stark löcherigen Landweg (450 Km) Richtung Puma und machten zunächst Station in dem uns von den letzten Einsätzen bekannten Kinderheim in Babati. Dort wartete schon eine zwölfköpfige Kinderschar, allesamt mit schweren Verbrennungskontrakturen, auf ihre Weiterfahrt ins Puma-Hospital. Dort empfing uns – es war immerhin späterer Nachmittag- unser treues Team und machte den ersten Rundgang mit uns über die Stationen. So bekamen wir schnell eine Vorstellung von dem, was uns in den nächsten Tagen erwartete. Schnell war der Plan für den nächsten Tag voll, es war immerhin der 1. Mai, der Tag der Arbeit.
Auch der darauffolgende Samstag war mit Operationen angefüllt und selbst am Sonntag sorgte ein mit Blaulicht aus einer 100 km entfernten Stadt kommender RTW für einen Notfalleingriff- ein Dreijähriges Kind mit komplizierten Oberschenkelbruch. Am kommenden Tag trafen die jungen Patientinnen und Patienten aus Babati ein und belegten mit ihren Betreuern eine ganze Station mit ihrer positiven Stimmung. So arbeiteten wir das Pensum, bestehend aus rein Plastisch-chirurgischen und orthoplastischen Eingriffen, in den nächsten Tagen ab.
„Wir“, das waren im Wesentlichen der langjährige Weggefährte Dr. Mabulla als Chirurg, der mir unermüdlich bei allen Operationen assistierte, und aber auch eine ganze Menge der Eingriffe selbst operieren konnte, und natürlich Schwester Victoria, das Urgestein des OPs, assistiert von ihrer vermutlichen Nachfolgerin, Schwester Olga. Dr. Joelly als Anästhesist, zusammen mit dem aus dem Ruhestand zurückgekehrten Dr. Nyenyembe führten die Anästhesien durch, angeleitet von dem inzwischen eingetroffenen Gunnar Lübke. Dieser organisierte einen Intensivkurs für sonographisch gesteuerte Leitungsanästhesien mit zahlreichen praktischen und theoretischen Lehrstunden. Unsere Sektion hatte dazu die Hardware angeschafft, einem leistungsfähigen „Butterfly“-Handheld-Ultraschallsystem mit ebenso hochwertigem Tablet. Zu den oft sehr zeitraubenden Kontrakturlösungen mit Transplantaten bei den Kindern kamen eine ganze Reihe von Versorgungen alter Unfälle mit Hautdefekten, Pseudarthrosen und Osteomyelitiden. So standen eine Reihe gestielter Haut/Faszien-, und Muskellappen auf dem Programm. Alle unsere Verbrennungskinder konnten wir vor der Rückfahrt noch einmal verbinden und hatten zu unserer Überraschung keinen einzigen Transplantatverlust. Trotzdem konnten wir bei etlichen, zumeist älteren Patienten, nur einzelne Zwischenschritte zur endgültigen Sanierung durchführen, noch nötige Knochenverpflanzungen warten nun auf das nächste Team, das hoffentlich in den nächsten Wochen anreisen wird.
Mit Befriedigung sahen wir den Neubau der neuen Frauenstation wachsen. Das mit unserer finanziellen Hilfe erstellte Gebäude wird neben 2-Bett- Patientenzimmern auch einen OP Saal für die Geburtshilfe und einen Kreißsaal enthalten. Heribert Schidelko installierte zusammen mit der tansanischen IT-Firma einen neuen, viel leistungsfähigeren Computer für die Patientendokumentation und das Röntgenarchiv. Endlich können die zahlreichen Stromabschaltungen dank leistungsstarkem USV keinen Schaden mehr anrichten. Auch konnte er zahlreiche Verbesserungen und Reparaturen im System anbringen.
So konnten wir nach 54 Operationen an 50 Patienten nach 2 Wochen wieder zufrieden den Heimweg antreten, nicht ohne vorher von den vielen Ordensangehörigen liebevoll verabschiedet und mit Geschenken überhäuft worden zu sein.
Vielen Dank an das gesamte Deutsch-Tansanische Team!
Michael Schidelko