
11.06 – 25.06.2026 Tanga/ Tansania
Auch im Juli 2025 machte sich die Interplast-Sektion Baden-Baden/ Bayreuth erneut auf den Weg nach Tanga in den Nordosten Tansanias. Der diesjährige Einsatz fand vom 11. bis 25. Juli statt und knüpfte nahtlos an die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Bombo Regional Referral Hospital in Tanga an. Ziel war es erneut, der lokalen Bevölkerung den Zugang zu plastisch-rekonstruktiven Operationen zu ermöglichen sowie die bestehende Ausbildungs- und Kooperationsstruktur weiter zu stärken.
Das diesjährige Team bestand aus engagierten Unterstützerinnen und Unterstützern verschiedenster Fachrichtungen. Die operative Leitung lag erneut in den Händen von Prof. Dr. Jürgen Dolderer als Sektionsleiter. Weitere Chirurgen waren Oberarzt Dr. Marcel Hoh sowie Assistenzarzt Dr. David Rümmele. Mit großer Erfahrung, Übersicht und Präzision führten sie das Team durch den umfangreichen Operationsplan der zweiwöchigen Einsatzzeit.
Unterstützt wurde das chirurgische Team durch die Medizinstudierenden Pia Schneider und Charlotte Sachse vom Medizincampus Oberfranken am Klinikum Bayreuth, die aktiv in die Patientenbetreuung, Dokumentation sowie in den Stations- und OP-Alltag eingebunden waren und wertvolle praktische Erfahrungen sammeln konnten. Für einen reibungslosen Ablauf im Operationssaal sorgten die Berufs- und Einsatzerfahrenen OP-Fachkräfte/ OTA – Eleonora Motta, Manuela Distel und Gudrun Stuhlreiter.
Die anästhesiologische Versorgung wurde durch Dr. Andreas Reith, Dr. Rudolf Hinger, Dr. Jan Gayer sowie der Kinderärztin Dr. Verena Haggenmüller gewährleistet, die auch unter teils herausfordernden Rahmenbedingungen jederzeit eine sichere und zuverlässige Patientenversorgung sicherstellten. Ergänzt wurde das Team erstmals durch die Ärztin Dr. Barbara Kordes, die sowohl besonders die Verbrennungspatienten postoperativ als auch Teammitglieder unterstützte und mit ihrer besonders fachlichen und menschlichen Kompetenz eine wertvolle Bereicherung darstellte. Für die fotografische Dokumentation des Einsatzes zeichnete Robert Götze verantwortlich, der mit Kamera- und Drohnentechnik die operative Arbeit sowie besondere Momente eindrucksvoll festhielt. Ein unverzichtbarer Bestandteil des Teams war erneut Prof. Ralph Egermann, der als Bauingenieur und langjähriger Organisator insbesondere im Rahmen des Wiederaufbaus des historischen Cliff Blocks – eines Krankenhausgebäudes aus dem Jahr 1902, in dem bereits Robert Koch geforscht hatte – maßgeblich zur Weiterentwicklung der Infrastruktur beitrug und darüber hinaus auch im OP unterstützte.
Vor Ort war zudem Dr. Wallace Karata, als Interplast-Koordinator für das Bombo Regional Referral Hospital, eine tragende Säule des Einsatzes. Durch seine Unterstützung in Organisation, Patientenmanagement, Übersetzung und Logistik trug er wesentlich zu einem reibungslosen Ablauf bei.
Nach einer langen Anreise von nahezu 30 Stunden wurden noch am Ankunftstag Materialien ausgepackt und die Operationssäle vorbereitet. Bereits am folgenden Morgen begann das Patientenscreening mit einem enorm großen Andrang. Die Patientinnen und Patienten waren im Vorfeld durch die lokalen Kolleginnen und Kollegen vorausgewählt worden. Nach anfänglicher Unübersichtlichkeit durch die vielen Patienten entwickelte sich rasch ein strukturierter Ablauf, sodass die Fälle effizient gesichtet, priorisiert und in einen klaren OP-Plan überführt werden konnten. Insgesamt startete das Team mit einem voll ausgelasteten OP-Programm in neun intensive Operationstage.
Der operative Alltag begann üblicherweise früh am Morgen mit Visiten auf Station, bei denen gemeinsam mit den tansanischen Kolleginnen und Kollegen Verbandswechsel, Entlassungen und die weitere Therapieplanung besprochen wurden. Trotz eines straffen OP-Plans konnten häufig zusätzliche Patientinnen und Patienten in das Programm aufgenommen werden. Operiert wurde regelmäßig bis in die Abendstunden, teilweise bis 20 Uhr, parallel in drei OP-Sälen.
Ein besonderer Meilenstein des diesjährigen Einsatzes war die feierliche Einweihung eines neu errichteten Operationssaals. Dieser wurde mit Unterstützung der Interplast-Sektion sowie ein Förderprojekt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) realisiert und erweitert die chirurgischen Möglichkeiten am Bombo Hospital nachhaltig.
Insgesamt wurden über 180 Patientinnen und Patienten gesichtet und 86 Operationen an 78 Patientinnen und Patienten durchgeführt. Der jüngste Patient war zehn Monate alt, der älteste 80 Jahre. Das operative Spektrum reichte von der Korrektur schwerer Verbrennungskontrakturen – insbesondere bei Kindern – über Hauttransplantationen und Z-Plastiken bis hin zu komplexen Lappenplastiken, Gesichtstumoren und komplexen chronischen Wunden.
Besonders in Erinnerung bleibt unter anderem die Versorgung eines 59-jährigen, querschnittsgelähmten Patienten mit ausgedehnten Dekubitalulzera, die erfolgreich mittels Bizeps-Femoris-Lappenplastiken behandelt werden konnten. Danach konnten wir ihm mit technischen Hilfsmittel eine größere Mobilität ermöglichen. Ebenso konnte bei einem 29-jährigen Patienten mit ausgeprägter Kniekontraktur nach Infektion durch einen technisch anspruchsvollen Eingriff eine deutliche Funktionsverbesserung erzielt werden, sodaß er wieder seiner Arbeit nachgehen konnte. Auffällig war zudem eine erhöhte Anzahl gutartiger Tumoren im Bereich von Rumpf und Thorax sowie seltenere Krankheitsbilder wie Fournier’sche Gangräne, Rezidivtumoren und komplexe Syndaktylie-Trennungen. Alle Eingriffe konnten erfolgreich durchgeführt werden.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war erneut die enge Zusammenarbeit mit dem lokalen medizinischen Personal, insbesondere mit Dr. Tea, Ordensschwester Theresa sowie den Pflegekräften und Ärztinnen, Ärzten des Bombo Hospitals, die die Nachsorge nach unserer Abreise zuverlässig übernahmen und den Heilungsverlauf dokumentierten.
Neben der operativen Tätigkeit spielte auch 2025 die Fortführung und Aus- und Weiterbildung der lokalen Chirurgen in Plastischer und Rekonstruktiver Chirurgie eine zentrale Rolle. Das zweijährige curriculare Ausbildungsprogramm das zusammen mit der Muhimbili-Universität aufgestellt wurde, hat schon mehrere Fachärzte für Tansania hervorgebracht. Wie in den letzten Jahren zuvor kamen in der ersten Woche mehrere chirurgische Weiterbildungsärzte der Muhimbili University of Health and Allied Sciences aus Dar es Salaam nach Tanga und wurden sowohl theoretisch als auch praktisch in plastisch-rekonstruktiven Techniken weitergebildet. Der fachliche Austausch erfolgte auf Augenhöhe und ist ein zentraler Bestandteil der nachhaltigen Projektarbeit.
In der zweiten Woche reiste Prof. Dolderer nach Dar es Salaam, um dort seine Lehr- und Forschungstätigkeit an der Muhimbili Universität mit den auszubildenden Kollegen Vorort im OP und in Seminaren fortzusetzen. Darüber hinaus konnte in diesem Jahr ein Operationsmikroskop für die Muhimbili-Universitätsklinik bereitgestellt werden, wodurch die Weiterentwicklung in mikrochirurgischen Verfahren vor Ort unterstützt wird. Um die Zusammenarbeit besonders zu honorieren wurde Prof Dolderer in das Gesundheitsministerium nach Dodoma eingeladen um langfristige Projekte und Gesundheitsversorgungen zu besprechen.
Nach zwei intensiven Wochen blickt das gesamte Team auf einen erfolgreichen und erfüllenden Einsatz zurück. Die vielen Begegnungen mit Patientinnen und Patienten, ihre Dankbarkeit und die sichtbaren funktionellen Verbesserungen bestätigen uns immer wieder in der Bedeutung dieser Arbeit. Ebenso prägend war erneut der außergewöhnliche Zusammenhalt innerhalb des Teams sowie die vertrauensvolle und herzliche Zusammenarbeit mit unseren tansanischen Kolleginnen und Kollegen vor Ort.
Ein Einsatz dieser Größenordnung wäre ohne die langfristige Unterstützung und die tragfähigen Strukturen von Interplast Germany e.V. nicht denkbar. Die kontinuierliche organisatorische, logistische und ideelle Begleitung bildet das Fundament unserer Arbeit und ermöglicht es, Hilfe nachhaltig und wirkungsvoll zu leisten – weit über den einzelnen Einsatz hinaus.
Unser besonderer Dank gilt darüber hinaus allen Spenderinnen und Spendern, die durch ihre finanzielle Unterstützung diese Einsätze erst möglich machen. Jeder Beitrag – ob groß oder klein – trägt dazu bei, Patientinnen und Patienten mit oft schwersten funktionellen Einschränkungen neue Perspektiven, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu schenken. Dieses Vertrauen wissen wir in höchstem Maße zu schätzen und setzen es mit größter Verantwortung zum Wohle der uns anvertrauten Menschen ein.
Auch den lokalen Partnern des Bombo Regional Referral Hospitals, insbesondere dem ärztlichen und pflegerischen Team, danken wir herzlich für ihr außergewöhnliches Engagement, ihre Verlässlichkeit und die Übernahme der Nachsorge nach unserer Abreise. Ebenso sind wir für die großartige Zusammenarbeit mit der Klinikleitung und tanzanischen Regierung, insbesondere dem Gesundheitsministerium, sowie der Muhimbili-Universität sehr dankbar. Nur durch diese engen abgestimmten Kooperationen und Vertrauen war so ein großes Leuchturmprojekt möglich geworden und stellt einen wesentlichen Bestandteil des nachhaltigen Erfolges des Projektes dar.
Die positiven Erfahrungen dieses Einsatzes und der weiterhin große Bedarf an plastisch-rekonstruktiver Versorgung bestärken uns darin, diesen Weg fortzusetzen. Die Vorbereitungen für den nächsten Einsatz haben bereits begonnen. Mit großer Vorfreude blicken wir auf das kommende Jahr, in dem wir erneut nach Tanga zurückkehren werden – in dem Wissen, wie wichtig diese Arbeit ist und wie vielen Menschen wir dadurch erneut helfen können.
Eine ganz besondere Ehre für unsere Interplast Sektion war am 6. Okt 2025 der Besuch in Bayreuth des Botschafters der tanzanischen Republik, seine Excellenz Mr. Hassani Mwamweta aus Berlin. Er wollte damit für die langjährige und sehr fruchtvolle und akademischen Zusammenarbeit sowie für die Patientenversorgung in Tansania danken. Im Besonderen dankte er für die Hilfe des damals 12-jährigen Safari, der mit schweren Bandverletzungen und Amputationen von beiden Unterschenkeln und rechten Arm, lange in Bayreuth behandelt wurde. Es fanden noch Empfänge und Gespräche mit dem Universitätspräsidenten Prof Leible, dem Oberbürgermeister Herr Ebersberger sowie den Rotariern von Bayreuth statt.
Für das Team – Charlotte Sachse und Pia Schneider