
Einsatz der INTERPLAST-Sektion Vreden am Kamuli-Mission-Hospital, Kamuli/Uganda
vom 14.-28.03.2026
11 Jahre sind es her, dass Paul Reinhold(+) und ich auf Initiative von Esther Walubu das Kamuli-Mission-Hospital zum ersten Mal besuchten. Neben dem Murunda-Projekt in Ruanda ist inzwischen ein fest etabliertes, andauerndes und nachhaltiges Projekt für unsere Sektion daraus entstanden.
So reisten wir nicht in unbekanntes Neuland, die Wege sind gebahnt und damit auch unser Tun vor Ort. Vieles läuft längst routiniert, bei einigem ist weiterhin Verbesserungsbedarf geboten. Große Hilfe war Dr. Simba, Chirurg, der am zweiten Tag zu uns stieß. Simba hat mehrmals mit uns zusammengearbeitet, kennt unser operatives Spektrum und konnte so die in großer Zahl angereisten Patientenströme kanalisieren, damit wir uns auf die wirklich großen Fälle konzentrieren konnten: Kontrakturen nach Verbrennungen, chronische Knocheneiterungen, frische offene Wunden mit großen Hautdefekten.
Im OP waren Sr. Agnes, die aus gesundheitlichen Gründen sonst an anderer Stelle im Hospital arbeitet, sowie die Medical Officers Deborah und Bonny wertvolle Hilfen. An 9 OP-Tagen konnten wir so bei 39 Patienten 51 Operationen durchführen. Claudia und Jule (die ihren ersten Einsatz erlebte) arbeiteten bei jeder Operation eine örtliche Kollegin ein, Pavol und ich als Operateure standen nie ohne örtliche ärztliche Assistenz am Tisch bzw. assistierten unsererseits den ugandischen Kollegen. Von großem Wert sind die von uns dem Krankenhaus geschenkten Einrichtungsgegenstände, unter anderem die Anästhesiemaschinen, die unser Anästhesist Hans-Jürgen wartet, sowie das Dermatom (Entnahmegerät dünner Hautschichten zur Deckung von z.B. Verbrennungswunden). Den Tag schloss jeweils die gemeinsame Visite unserer Patienten auf der renovierten Chirurgischen Station ab.
Der OP-freie Samstag und Sonntag waren besondere Tage: Am Vormittag holte uns mein Freund Jude nach Bulogo ab. Wir nahmen an der Zeremonie zur Verteilung von 300 „Cookstoves“ an arme ländliche Familien teil- wie schon im letzten November in Murunda/Ruanda. Diese Öfen vermindern Brennmaterial und damit auch CO2-Ausstoß um 80% und verhindern die schweren Verbrennungen, deren Folgen wir so oft (Verbrennungskontrakturen) zu operieren haben. Eine bewegende Zeremonie uns zu Ehren, da die Finanzierung der Öfen durch unsere Vredener Sektion erfolgt war. Weitere 2000 Bäume wurden gepflanzt, 40.000 sind es inzwischen: vier Bäume für 1 €!
Und dann wieder die Come-Together- bzw. Farewell-Partie mit dem OP- und Stationspersonal, diesmal an den Busowoko-Nil-Fällen. Unglaublicher Spaß bei allen und Freude über das Tilapia-Essen im Anschluss. Wenn man sich anschaut wie komplett der Fisch von unseren ugandischen Freunden verzehrt wird, fast beschämend für uns…
Bonny, Medical Officer Chirurgie, hat sich schon vor einigen Jahren selbständig gemacht und aus einfachsten Gebäuden auch mit unserer finanziellen Unterstützung eine echte kleine Klinik mit u.a. OP und Labor geschaffen, die er nicht ohne Stolz und Zuversicht zeigte.
Zum ersten Mal hatte ich auf ihre Bitte Elisabeth Lohmann, niedergelassene Gynäkologin aus Ahaus, mitgenommen. Sie betätigte sich in der gynäkologischen Abteilung/ Maternity, u.a. unterrichtend bei der Sonographie. „Die Beschaffung eines Ultraschallgerätes ist nicht nur für die Maternitiy, sondern für die gesamte Klinik von unschätzbarem Zusatznutzen und soll auch auf Wunsch d. ärztlichen Direktors nun umgesetzt werden“, so ein Fazit von Elisabeth Lohmann.
Wenn wir vor Ort sind und regelmäßig von morgens bis abends operieren, ist der Bedarf an Strom/ Elektrizität höher als sonst. So fiel der Ausfall von zwei Batterien der Solaranlage erst jetzt auf. Mit dem Elektriker vor Ort führte ich dann ein Gespräch über Wartung und Instandhaltung moderner Energieeinrichtungen. David Seccalegga, Elektroingenieur aus Kampala, der u.a. die PV-Anlage installiert hat, wird kurzfristig für Reparatur sorgen. Mit ihm werde ich auch eine moderate Erweiterung der PV-Anlage besprechen: wenn einmal „eigener“ Strom zur Verfügung steht, wächst schnell die Zahl der Abnehmer.
Im Gästehaus versorgte uns in bewährter Weise unsere Köchin Goretti. Dr. Faustine bedankte sich mit einer Auszeichnung der Klinik für unsere Investitionen über die Jahre und unser Engagement.
Den letzten Abend vor dem Rückflug in der Frühe des 28.03. genossen wir mit einem Abschlussessen am Ufer des Viktoriasees in Entebbe: das Ende eines erfolgreichen harmonischen Einsatzes.
Teilnehmer: Dr. Pavol Stolfa, Plastischer Chirurg/ Dresden, Dr. Hans-Jürgen Rapp, Anästhesist/ Schriesheim b. Heidelberg; Claudia Gewers, OP-Schwester/ Ahaus, Jule Rottstegge, OTA/ Weseke, Nicole Dannewitz, Fachkrankenschwester Anästhesie/ Greifswald, Elisabeth Lohmann, Gynäkologin/ Ahaus, Dr. Arnulf Lehmköster, Plastischer Chirurg und Teamleiter/ Bocholt
Für das Team,
Arnulf Lehmköster
Sektionsleiter INTERPLAST-Sektion Vreden