
26.04 – 09.05.2026 Douala/ Kamerun
Auf erneute Einladung des katholischen Ordens „St. Jean de Dieu“ führten wir nach einem Piloteinsatz im April 2025 einen weiteren Interplast-Einsatz in der jetzt 11 Jahre alten Yassa Klinik in der Hafenstadt Douala durch. Mit ca. 4,5 Millionen Einwohner ist Douala die größte Stadt Kameruns. Das von den Brüdern des Ordens, darunter dem Direktor Brother Linus Wirnkar sehr gut vorbereitete Camp sollte eigentlich lediglich Klumpfussoperationen durchführen. Aufgrund des Bedarfs vor Ort wurden nach Rücksprache mit unserem Team vorwiegend Kinder und Jugendliche mit ausgeprägten Beinachsen-Deformitäten (X- und O-Bein) und nur einige kindliche Klumpfusspatienten einbestellt.
Beinachs-Deformitäten – oft aufgrund von Vitamin D-Mangel, aber auch genetisch bedingt – stellen angesichts der Häufiglkeit ein großes medizinsiches und soziales Problem dar. Durch ihre Behinderung erfahren die betroffenen Kinder- und Jugendliche, ausgeprägte soziale Stigmatisierung und Mobbing in der Schule und ihrem sozialen Umfeld.
Kamerun, befindet sich im Westen von Zentralafrika am Atantik. Es besteht aufgrund der französischen und englischen Kolonialgeschichte seit seiner Unabhängigkeit 1960, je aus einem französischen und englisch sprechenden Teil, wobei es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen diesen Gebieten kommt. Die Region Douala ist Jedoch friedlich. Das Land liegt oberhalb des Äquators und die klimatischen Bedingungen unter denen wir gearbeitet haben, sind in dem tropischen Land mit Temperaturen bis 35°C und hoher Luftfeuchtigkeit trotzt klimatisiertem OP, herausfordernd und anstrengend.
Die Vorbereitung durch den Chirurgen vor Ort Dr. Tima Serge Evangile und seinen Nachfolger Dr.Tang waren sehr engagiert und hilfreich. Der Einsatz war über Flyer und Plakate angekündigt worden, sodass wir nach komplikationsloser Anreise am 1. Tag das Screening der vorbestellten Patienten innerhalb eines Tages durchführen und den OP-Plan bis zum Abreisetag ausfüllen konnten. Einige Patienten mussten auf den nächsten Einsatz vertröstet werden. Die Mitarbeiter im Hospital sind in der Regel zweisprachig, sodaß eine Verständigung gut möglich war. Hilfreich waren für das Patientenscreening, die Gespräche und Aufklärung der Angehörigen und die spätere Betreuung der kleinen Patienten die Französischkenntnisse von fast allen Teammitgliedern. Das OP-Personal vor Ort war sehr engagiert und gut ausgebildet, die hygienischen Voraussetzungen im OP waren gut. Störend waren allenfalls die häufigeren Stromausfälle vor allem in der 2. Arbeitswoche.
Erfreulicherweise hatte des Hospital auch als Ausdruck seines großen Interesses an weiteren Einsätzen ein neues komfortables Gästehaus mit 7 Zimmern, Aufenthalts- und Speiseraum auf dem Krankenhausgelände errichtet und kurz vor unserer Ankunft in Betrieb genommen. Für die gute Verpflegung war für diesen Zeitraum eine Köchin eingestellt worden. Die Betreuung unserer Zimmer mit Reinigung und Wäschewechsel erfolgte durch einen Bruder des Ordens. Insgesamt können wir diese Unterstützung unseres Einsatzes durch das Hospital nur als hervorragend bezeichnen.
Nach dem 1. Screening Tag und dem Einrichten des OPs begannen wir am 2. Tag bereits mit den Operationen. Da wir keine eigene OP-Fachkraft im Team hatten, wurde die Instrumentation durch unser Team, aber auch die einheimischen OP-Schwestern und den einheimischen Kollegen Dr. Tang problemlos durchgeführt. Für die Achskorrekturen konnte der vorhandene und intakte C-Bogen genutzt werden. Wie bei jedem Einsatz führten wir natürlich auch Schulungen beim Instrumentieren und Operieren für die einheimischen Mitarbeiter durch. Die Nachbehandlung für die Patienten wurde durch den Chirurgen vor Ort und den sehr engagierten Krankengymnasten Simon mit Verbands- und Gipswechseln und späterer Krankengymnastik gewährleistet.
Wir konnten insgesamt 28 Operationen bei 27 Patienten vornehmen. Es handelte sich um Weichteileingriffe kombiniert mit knöchernen Korrekturen bei sog. umgekippten Klumpfüßen (6), um Beinachskorrekturen bei X- und O-Beinen mit partiellen Epiphysiodesen (Blockierung der Wachstumsfugen) mit Platten und Schrauben, um eine Achskorrektur durch das weitere Längenwachstum zu erzielen und bei älteren Kindern/Jugendlichen Osteotomien mit Achskorrektur an Ober- und Unterschenkel mit Kirschnerdraht-, Platten- und Schraubenosteosynthesen (insgesamt 20) und 2 Spitzfußkorrekturen.
Vonseiten der Anästhesie wurden Katheterverfahren, Regionalanästhesien mit Caudalblock und Allgemeinanästhesien unter Larynxmaskenbeatmung erfolgreich durchgeführt.
Der Einsatz verlief auch aufgrund der vorhandenen Einsatzerfahrung aller Teammitglieder komplikationslos, harmonisch und zeichnete sich durch eine sehr gute, enge Zusammenarbeit aus. In der Abschlussbesprechung mit Bro Linus betonte der Direktor der Klinik immer wieder das große Interesse an weiteren Einsätzen auch mehrmals im Jahr. Der Bedarf sei sehr groß. Es besteht auch ein großes Interesse an gynäkologischen (Fisteloperationen) und plastischen Operationen bei den häufigen Verbrennungen. Man wünsche eine engere Zusammenarbeit mit Interplast.
Abschließend möchte ich allen Mitgliedern des reinen Männer-Teams für die engagierte und immer positive Arbeit herzlich danken. Insgesamt war es ein erfolgreicher Einsatz und neue Einsätze, auch mit anderen Teams, werden ausdrücklich empfohlen.
Der besondere Dank gelten dem Yassa-Hospital für die Unterstützung, und warmherzige Gastfreundschaft, der niederländischen Organisation „Hospitaal Broeders“ aus Amsterdam sowie der Interplast-Sektion Bad Kreuznach und André Borsche für die finanzielle Unterstützung des Einsatzes.
Für das Team – Hans-Jürgen Arndt
Hans-Jürgen Arndt (Orthopäde u. Unfallchirurg)
Micha Daneke (Anästhesist)
Tao Nkashma Kadima (Assistenzarzt)
Fritjof Schmidt-Hoensdorf (Orthopäde u. Unfallchirurg)
Olaf Weigt (Anästhesist)