
Der orthopädisch-unfallchirurgische Einsatz im Bo Government Hospital fand nun bereits zum dritten Mal in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium Sierra Leone statt. Das Projekt wird von Ismael Kebbie und Sahr Sandi betreut. Klumpfußdeformitäten sind in Sierra Leone ein häufiges Krankheitsbild. Für die Betroffenen – meist Kinder und Jugendliche – bedeutet das großes persönliches Leid und soziale Stigmatisierung.
Wir reisten dieses Mal mit einem fünfköpfigen Team nach Bo im Zentrum von Sierra Leone. Drei Teammitglieder, darunter Fritjof Schmidt-Hoensdorf als Teamleiter, kamen direkt von einem vorangegangenen Einsatz in Monrovia, Liberia mit dem Auto angereist. Eine Neuerung in diesem Jahr stellte zudem die Zusammenarbeit mit einem einheimischen Anästhesie-Team dar, welches unser kurzfristig erkranktes deutsches Team ersetzte. Nach einigen Verzögerungen auf unserer Fahrt von Freetown nach Bo, aufgrund unseres reparaturbedürftigen Fahrzeuges, trafen wir alle am Sonntagabend zum Abendessen und Kennenlernen in unserer zentral gelegenen Unterkunft in Bo zusammen.
Am Montagmorgen begannen wir zunächst mit dem Einrichten der Räumlichkeiten und dem Patientenscreening. Das Klumpfußprojekt wird vor Ort von der engagierten Physiotherapeutin Adama betreut. Sie wurde dieses Jahr teilweise von ihrer Kollegin Maria vertreten, welche sich ebenfalls toll einbrachte und um die Patienten und die Organisation vor Ort bemühte. Das Screening war daher perfekt vorbereitet und so konnten fast alle geplanten Patienten und Patientinnen an einem Tag chirurgisch und anästhesiologisch gesichtet und vorbereitet werden.
Am Dienstag starteten wir dann direkt mit dem vollen OP-Programm. Wir versorgten insgesamt 35 Patienten und Patientinnen, vorrangig mit Klumpfuß-Korrekturoperationen. Einige von Ihnen waren bereits in den vorangegangen zwei Jahren von uns versorgt worden. Die Alterspanne lag dabei zwischen 0 und 27 Jahren. Die anfänglichen Hindernisse aufgrund der häufigen Stromausfälle und Schwierigkeiten mit der Versorgung von Sterilgütern ließen sich letztendlich schnell lösen. Nichtsdestotrotz erforderten erschwerte hygienische Bedingungen bei der Aufarbeitung von Sterilgut und der Saalpflege, höhere Aufmerksamkeit, Kontrolle und diszipliniertes Verhalten im OP. Einige der einheimischen Mitarbeitenden unterstützten uns motiviert beim Vor- und Nachbereiten der Operationen. Auch das Anästhesie-Team wurde tatkräftig unterstützt. Nach einer erfolgreichen zweiten Woche, führten wir am Freitagvormittag eine gemeinsame Abschlussvisite durch und besprachen das postoperative Procedere nochmals ausführlich mit Adama.
Wir bedanken uns herzlichst bei der Interplast-Stiftung, welche zwei spezielle Instrumentensiebe gespendet hat und somit die Durchführung der hohen Anzahl an Operationen ermöglichte sowie bei der Sektion Bad Kreuznach von Interplast Germany e.V. für die zuverlässige Unterstützung.
Für das Team: Theresa Maria Renner
Teilnehmende:
Fritjof Schmidt-Hoensdorf | Teamleiter | Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie
Hans-Jürgen Arnd | Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Mohamed Alieu Kargbo | Facharzt für Anästhesiologie, Sierra Leone
Theresa Maria Renner | Ärztin in Weiterbildung für Orthopädie und Unfallchirurgie
Magdalena Wörle | Fachkrankenschwester für den Operationsdienst
Jutta Sievert | Krankenschwester
Martha Kailondo | Fachkraft für Anästhesiepflege, Sierra Leone